30 Minuten zwischen Spott und Jubel

Lüner SV gegen SSV Meschede. Matthias Baer trifft hier zum 2:2. Foto: Kürbs

Lüner SV gegen SSV Meschede. Matthias Baer trifft hier zum 2:2. Foto: Kürbs

von Carsten Rüßel

Wie man als Fußballmannschaft innerhalb von 30 Minuten alles durchleben kann, was zwischen Spott, Hohn und Jubel liegt, machte gestern der Lüner SV vor.

Die Landesliga-Fußballer von Trainer Marcus Reis befanden sich gegen den SSV Meschede aussichtslos auf der Verliererstraße, hatten dem Angriffswirbel der Sauerländer über weite Strecken überhaupt nichts entgegen zu setzen.

So behäbig spielte die Abwehr um Martin Krüger und Akin Bayrakli, dass der Gast nach rund einer Stunde gut und gern mit 4:0 hätte führen können. Aber das tat er nicht. Das Heidenchaos in der rot-weißen Hintermannschaft nutzte der Gast bis zur Pause lediglich zum 0:1-Treffer durch Bilal Yavuz, der Lünens Torwart Robert Brochtrup aus 16 Metern tunnelte. Bis dahin stand es nach glasklaren Chancen gerechnet 7:0 für den Gast, der obendrein in der 45. Minute nach Foul von Bayrakli an Sperling einen klaren Elfmeter versagt bekam.

Auch Vereins-Chef Dr. Wiefelspütz gratulierte dem Schützen. Foto: Kürbs

Auch Vereins-Chef Dr. Wiefelspütz gratulierte dem Schützen. Foto: Kürbs

Nach 57 Minuten wäre beinahe das 0:2 gefallen, aber Brochtrup und gleich zweimal Daniel Scharffetter auf der Linie verhinderten dies mit vereinten Kräften und jeder Menge Glück. Nach einem katastrophalen Rückpass von Izzet Ceylan brauchte Sperling den Ball nur noch abzulaufen und einzuschieben – 0:2 und auf den LSV gab keiner mehr einen Cent.

Neuer Schwung mit Sebastian Brunner

Aber das Team bemühte sich, bekam nach langer Eingewöhnung endlich mit, dass Sebastian Brunner in der Zentrale immer anspielbar war. Überlegt leitete der die Bälle an seine Mitspieler weiter und allmählich spielten die Lüner sogar mit. Brunner selbst hatte nach 65 Minuten die bis dahin beste Lüner Möglichkeit, Torwart Potofski rettete. Nur vier Minuten später scheiterte Brunner wieder am Keeper, diesmal mit einem derart hilflosen Abschluss, dass dieser symbolisch für das Treiben bis dorthin stand.

Aber durch diese Chancen hatte der LSV erreicht, dass der Gast ein wenig den Faden verlor. In der 71. Minute stand Matthias Baer völlig frei und schoss zum 1:2 ein. Nur eine gute Minute später passte Fabian Lenz auf Baer, der am linkn Pfosten zum 2:2 einschob. Nun jubelten die Fans.

Bis zum Abpfiff blieb die Frage nach dem Sieger ungeklärt. Martin Krüger sah nach80 Minuten rot wegen Notbremse an Bilal Yavuz, aber der LSV überstand nun auch die Phase in Unterzahl.

Ein schöner Punktgewinn, mehr wäre aber keinesfalls verdient gewesen.

Namen / Zahlen

Lüner SV – SSV Meschede 2:2 (0:1).

Lüner SV: Brochtrup; Wersing, Baer, Lenz, Asare (46. Brunner), Krüger, Bayrakli (70. Richter), Dick, Ceylan, Scharffetter, Krause.

SSV: Potofski; Stratenschulte-Huss, Kraft, S., Bilal und Burak Yavuz, Güven, Kraft, Behrami, Wiegelmann, Sperling.

Tore: 0:1 Bilal Yavuz (40.), 0:2 Sperling (59.), 1:2 Baer (70.), 2:2 Baer (71.).

Rot: Bayrakli (80.).

Drei Fragen an Markus Baer

Der Neuzugang machte am Sonntag sein erstes Meisterschaftsspiel in Schwansbell und rettete seinem Verein nach zunächst katastrophaler Leistung einen Punkt.

Wie fühlt man sich nach so einem Einstand?

Baer: Besser kann es gar nicht laufen. Wir lagen schon auf der Intensivsstation und sind quasi durchs Fitness-Studio wieder raus gegangen.

Wann haben Sie zuletzt mal zwei Tore in einem Spiel gemacht?

Das muss vergangene Saison in Lüdinghausen gewesen sein, da waren es insgesamt 16 in der Spielzeit.

Ihre neue Mannschaft war über weite Strecken heute chancenlos. Wie haben Sie das auf dem Platz erlebt?

Es war wie verflixt. Das 1:2 kam aus dem Nichts, das war schon das Optimum angesichts dessen, was wir uns vorher zusammengespielt haben. Ich hoffe, dass uns diese Partie in Sachen Moral weiterhilft. Die Vorbereitung war ja auch nicht nur klasse.

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